BZ-Artikel vom 22.Juli 2010 - Autor: Ingrid Jennert
Schicksal von Sampa lässt nicht kalt
Schüler der Friedrich-Ebert-Schule engagierten sich und sammelten 250 Euro für die Operationen des indischen Mädchens.
Schüler der Friedrich-Ebert-Schule (mit Rektorin Claudia Brenzinger und Dr. Günter Zabel) haben sich für das indische Mädchen Sampa engagiert und 250 Euro für die Operationen gesammelt. Foto: Ingrid Jennert
SCHOPFHEIM. "Kann Sampa nach der Operation wieder so leben, wie vor dem Unfall?" Den Schülerinnen und Schülern der Friedrich-Ebert-Schule ging das Schicksal der zehnjährigen Inderin Sampa sehr zu Herzen. 250 Euro haben sie mit musikalischen Auftritten in der Stadt erspielt, um auch einen Beitrag zu den Operationskosten zu leisten. Denn Sampa soll auf Initiative von Interplast Germany am Lörracher Krankenhaus operiert werden (wir berichteten).
Dr. Günter Zabel (Interplast) haben die Schüler mehrerer Klassen, darunter der Catschor und die Bläserklasse von Dieter Waibel, in der Aula der Schule musikalisch begrüßt und wollten ihm auch gleich das Geld aus ihrer "Schatzkiste" überreichen. Doch zunächst hörten sie wie gebannt den Schilderungen des Arztes und Chirurgen über Kalkutta und die Arbeit der Organisation Interplast zu, bei der Günter Zabel ehrenamtlich mitarbeitet. Im Gebiet um Kalkutta, einer Zig-Millonenstadt im Nordosten Indiens, an der Grenze zu Bangladesh mit seinen zahlreichen Slums, hatte einst Mutter Theresa gearbeitet, erinnerte Zabel. Sampa gehörte zu den rund 250 Menschen, die dem Ärzteteam von Interplast am Tag nach der Ankunft vorgestellt wurden und auf eine Operation ihrer entstellenden Verletzungen hofften.
Diese seien häufig auf Brandwunden zurückzuführen, die in den Slums von Kalkutta oft vorkommen und nicht sofort behandelt werden könnten. So war es auch Sampa ergangen. Das Mädchen war vor fünf Jahren beim Kochen einer Mahlzeit in das Feuer der offenen Kochstelle gefallen. Ihr Kleid aus einer Kunststofffaser fing sofort Feuer. Trotz Rettung verklebten die Hautfetzen der Arme mit denen am Oberkörper. Ihre Arme sind überkreuz am Oberkörper angewachsen und sie kann sie nicht mehr bewegen. "Es werden mehrere Operationen nötig sein, um die nötigen Hauttransplantationen schrittweise durchzuführen", sagte Zabel. Dazu hätte der 14-tägige Aufenthalt des Interplastteams nicht ausgereicht. Um Sampa zu helfen sah Zabel nur die Möglichkeit, sie nach Schopfheim zu holen und sie in Lörrach zu operieren.
Vier Monate werden die operativen Eingriffe in Anspruch nehmen, antwortete Zabel auf die Frage eines Schülers. In Gersbach wurde eine Pflegefamilie gefunden, wo Sampa und ihr Vater in dieser Zeit leben können. Am Anfang von Sampas Heilung stehen allerdings noch bürokratische Hürden, denn das Mädchen hat keinen Pass. Ehe der nun zusammen mit anderen Formalitäten in Kalkutta ausgestellt wird, vergehen einige Monate. Statt in dieser Woche, wie geplant, wird das Mädchen mit seinem Vater nun Anfang September in Deutschland erwartet. Parallel dazu sind andere logistische Vorbereitungen gelaufen, schilderte Zabel den gebannt lauschenden Jugendlichen. In Kalkutta lief die Verständigung über das einheimische Krankenhauspersonal, das die Landessprache Bengali und Englisch beherrschte. In Lörrach kann das Krankenhauspersonal aber sicher kein Bengali. Darum wurden Täfelchen mit verschiedenen Fragen und Antworten in Bengali und Englisch vorbereitet, auf die Sampa dann nur mit dem Finger deuten muss.
Trotz spätem Vormittag und drückender Hitze draußen herrschte im Saal eine konzentrierte Spannung, die Dieter Waibel, Dirigent und Lehrer, löste, als er das goldene Kästchen mit den 250 Euro und einigen kleineren "Sonderspenden" von einzelnen Personen oder Familien brachte. Als er das Geld übergeben hatte, hagelte es aber noch eine Menge Fragen aus dem Orchester: Wie wohnt Sampa? Wie geht ihre Familie mit dem Unglück um? Wie wird Sampa unser Leben hier empfinden und kann das Mädchen bei den Operationen sterben? Dr. Zabel antwortete sehr ernsthaft und nachdenklich auf diese Fragen. "Sie hat schon fürchterliche Narben durch die Verbrennungen und bekommt durch die Operationen noch weitere dazu." Was das bedeutet, konnte sich jeder ausmalen.
Zusammen mit Rektorin Claudia Brenzinger nahm der Catschor Dr. Günter Zabel in die Mitte und sang für ihn das "Eine Welt Lied". Claudia Brenzinger hatte übrigens eines der Bilder beim Kaffeefest des Dikome-Vereins ersteigert.
Info: Spendenkonto: Sparkasse Schopfheim-Zell, Konto-Nr. 3197779, Bankleitzahl: 683 515 57 Stichwort "Hilfe für Sampa"
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